Die Handaufzucht eines Chinchilla-Babys erfordert viel Disziplin und Geduld.
Normalerweise sind Chinchilla-Mütter sehr gut in der Lage, selbst für ihre
Jungen zu sorgen. Aber es gibt ein paar Probleme, bei denen man ihnen helfen muß:
1. Das Muttertier stirbt nach der Geburt
2. Das Muttertier nimmt das Junge nicht an (sehr selten)
3. Das Muttertier hat nicht genug Milch
4. Das Muttertier hat mehr als drei Babys und deshalb nicht genug Milch für alle
5. Das Jungtier ist verletzt und kann nicht zurück zu seiner Mutter
Wenn das Muttertier nach der Geburt stirbt oder ihr Baby nicht annimmt, so kann man versuchen,
eine Amme zu finden. Hat man z.B. ein anderes Chinchilla-Weibchen, das Jungtiere im ungefähr gleichen
Alter hat, so kann man versuchen, ihr das Baby unterzuschieben. Normalerweise wird das Baby problemlos angenommen
und gesäugt.
Wenn ein Muttertier nicht genug Milch hat (z.B. beim ersten Wurf oder bei einem Wurf mit mehr
als drei Babys), dann sollte man das Muttertier entlasten und bei den Babys per Hand zufüttern. Man
sollte aber dafür sorgen, daß alle Babys Muttermilch abbekommen, denn diese ist einfach das beste für
die Kleinen!!!
Wenn das Muttertier das Baby nicht annimmt und man keine Amme hat, oder wenn das Jungtier verletzt
ist und nicht mehr zur Mutter kann, dann muß man "Ersatzmami" spielen.
Zufütterung bei größeren Würfen
Wenn ein Wurf mit mehr als drei Babys kommt, dann können die Jungtiere alle bei
der Mutter bleiben, aber man sollte sie beim Füttern unterstützen. Viele Züchter nehmen das
stärkste Baby zeitweise heraus, so daß die kleineren eine Chance erhalten bei Mami zu trinken. Ich
denke, daß das die beste Methode ist, da dann alle Babys Muttermilch abbekommen.
Man kann aber auch die Babys in Schichten abwechselnd zur Mutter geben, so daß
immer nur 1-2 Jung- tiere bei der Mutter sind und trinken können.
Eine andere gute Möglichkeit ist, daß man das stärkste Jungtier herausnimmt
und zeitweise per Hand zufüttert, so daß es nicht mehr so hungrig ist und die kleineren Geschwister auch
mal an die Milchbar kommen.
Wenn man per Hand zufüttert, so sollte man das nur die ersten 2-3 Wochen tun, denn
dann sind die Kleinen alt genug um selbständig Pellets und Heu mitzufressen.
Handaufzucht
Das Wichtigste bei der Handfütterung ist, daß das Jungtiere alle 1 – 1 ½
seine Milch bekommt. Es ist enorm wichtig diese Zeiten einzuhalten, denn ansonsten kann die Darmtätigkeit
erlahmen und das Jungtier würde sterben.
In den ersten 1-2 Wochen ist es absolut notwendig in diesen Abständen zu füttern
(auch nachts!!!), später können dann die Abstände langsam erweitert werden bis das Baby Pellets und
Heu frißt.
Man muß auch ständig dafür sorgen, daß das Jungtier warmgehalten
wird, da Baby-Chinchillas ihre Körpertemperatur noch nicht eigenständig halten können. Am besten
trägt man das Jungtier bei sich am Körper, damit es die Körperwärme und Zuwendung, die
normalerweise das Muttertier geben würde, bekommt.
Wenn man das Jungtier alleine lassen muß, so habe ich immer eine Wärmflasche
gefüllt, in ein Handtuch gewickelt und das Kleine draufgesetzt. Die Jungtiere mögen die Wärme und
bleiben gerne darauf sitzen.
„Milch-Rezepte“
Ich habe zwei Varianten ausprobiert und habe mit beiden sehr gute Erfahrungen gemacht:
1. Babynahrung (nicht die Erstlingsmilch sondern die Folgemilch) gemischt mit körperwarmem
Wasser. Es ist sehr wichtig, daß die Mischung nicht zu dicklich ist. Am Anfang sollte die Konsistenz
wie bei richtiger Milch sein, später kann dann mehr Pulver verwendet werden, so daß die Milch dicklicher
wird.
2. Dosenmilch (7,5% Fettgehalt), gemischt mit körperwarmem Wasser und etwas Traubenzucker.
Auch hier ist darauf zu achten, daß die Mischung zu Beginn nicht zu dickflüssig ist.
Die Fütterung
| Am besten verwendet man eine Spritze ohne Kanüle. Man nimmt das Baby vorsichtig
in die Hand (am besten ist eine leicht liegende Stellung) und dann träufelt man vorsichtig die Milch
tröpfchenweise auf das Schnäuzchen. Zu Beginn gibt es evtl. etwas Widerstand, aber bald erkennt es,
dass es etwas Feines gibt und schleckt fleißig das Schnäuzchen ab. Wenn das Kleine nicht mehr trinken
will, so lasse ich es ein paar Minuten in Ruhe und wenn es wieder genug Luft geholt hat, kommt der zweite Durchlauf.
Bei ganz jungen Tieren wird zu Beginn ca. 0,2 – 0,4 ml getrunken, was sich stetig steigert. |
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Nach der Mahlzeit ist es sehr wichtig, dem Jungtier den Bauch mit leichten, kreisenden Bewegungen
zu massieren. Normalerweise würde diese Aufgabe die Chin-Mami übernehmen, aber in diesem Fall müssen
wir dies tun. |
Bitte unbedingt darauf achten, dass der Bauch immer schön weich bleibt. Sollte er hart werden so
muß man unbedingt sofort zum Tierarzt gehen, denn dann hat das Kleine vermutlich Blähungen, gegen
die der Tierarzt etwas unternehmen muß.
Es ist nicht gesagt, dass eine Handaufzucht den gewünschten Erfolg bringt, aber ich denke, dass jedes
Jungtier eine Chance verdient hat, auch wenn das für den Menschen manchmal sehr stressig und aufreibend ist.
Aber wenn so ein kleiner Kerl dann groß wird, hat sich die ganze Mühe allemal gelohnt!!!
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