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Amy mit einem wildlebenden Chinchilla
von Amy Deane


Chinchillas sind gefährdet, da die Tiere wegen ihres Pelzes Ziel der Ausbeutung sind. Die Anzahl der geschützten wild lebenden Populationen geht weiterhin zurück. Ihre Lebensräume im Norden Zentral-Chiles sind aufgrund der von Menschen herbeigeführten Umweltveränderungen bedroht. Ohne finanzielle Mittel, Forschung und Naturschutz werden die Populationen des wilden Chinchillas in naher Zukunft ausgestorben sein (Jimenez, persönl. Kommentar).

Chinchillas besitzen von Natur aus ein Fell von grauer Farbe. Sie haben einen eichhörnchenähnlichen Körperbau, große mausähnliche Ohren und einen buschigen Schwanz. Ihr charakteristischstes Merkmal, aufgrund dessen sie sehr bekannt sind, ist ihr plüschiger Pelz. Wo Menschen nur über ein Haar pro Follikel verfügen, besitzen Chinchillas gleich 50 (Meadow, 1969). Ein erwachsenes Chinchilla wiegt zwischen 400 g und 500 g. Chinchillaweibchen sind für eine Dauer von 111 Tagen trächtig. Sie bringen ein oder zwei Jungen, Nestflüchter, welche vollständig behaart sind und vom ersten Tage an sehen können, zur Welt. Die Geschlechtsreife setzt etwa im Alter von 8 Monaten ein, ein bis zwei Würfe pro Jahr sind normal. Im Vergleich zu anderen Nagetieren ist die Tragzeit bei Chinchillas relativ lang und die Anzahl der Jungtiere gering. Chinchillas sind nachtaktiv und leben in Familienverbänden. Man unterscheidet zwei Arten von Chinchillas: Chinchilla brevicaudata (Blaues Bolivianisches Chinchilla) und Chinchilla lanigera (Langschwanzchinchilla) (Nowak, 1991; Jimenez, 1996).

Die Ausbeutung der Tiere zum Zwecke des Pelzhandels mit europäischen und nordamerikanischen Märkten setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, was einen Bedarf an Pelzen bis in unsere Zeit begründete. Da für einen Pelzmantel mehrere hundert Felle benötigt werden, ist der Chinchillapelz der teuerste und seltenste weltweit. „Im Jahre 1928 kostete ein in Bolivien hergestellter Pelz eine halbe Millionen Goldmark“ (Bickel, 1937). Im Jahre 1992 kostet ein Mantel aus den Fellen gezüchteter Tiere, verkauft von Elan Furs (Indianapolis, Indiana), 22.000 US-$.

Die Chinchillapopulation geht stetig durch Fallenstellerei und Bejagung zurück. Am Ende des 19. Jahrhunderts war das einstmals so zahlreich vorkommende Tier in seinem Bestand gefährdet. Die Menschen stellten ihnen durch Jagd und Fallenstellerei derart nach, dass die Anzahl der Würfe bei weitem nicht ausreichte, um den Bestand auf Dauer zu sichern. Laut Meadow (1969) „wurden die Regierungen von Chile, Peru, Bolivien und Argentinien durch das Verschwinden des einzigartigen Chinchillas alarmiert. Im Jahre 1918 verankerten sie daher ein Embargo für den Export von Chinchillapelzen und beschlossen Gesetze, die es untersagten, die Tiere mittels Fallenstellerei zu töten.“

Iriarte berichtete (1986), dass allein 7.179.640 Pelze von Chile aus zwischen 1828 und 1916 exportiert wurden, bei einer Zahl von insgesamt 21 Millionen getöteten Tieren (Jimenez, 1994). Chile verankerte den Schutz der Tiere vor der Bejagung, was aber für die noch existierenden wildlebenden Populationen zu spät kam (1994, Thornback, 1969).

Die frei lebenden Chinchillas wurden in die Reihe der bedrohten Spezies, die in Artikel I der Konvention betreffend den internationalen Handel von bedrohter Flora und Fauna (1973) genannt wurden, aufgenommen (Stehnke, 1990; Nowak, 1991; Thornback, 1969).

Laut CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora; Abkommen über den Handel mit bedrohten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen; verbietet oder regelt den Handel mit rund 8 000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten) wurde der Export und Import von Tieren und ihren Fellen zwischen den dem Abkommen zustimmenden Staaten verboten. In Peru und Bolivien, bis dorthin dehnte sich einstmals sein natürlicher Lebensraum aus, ist das wilde Chinchilla mittlerweile ausgestorben (Thornback, 1969; Jimenez, 1994). In Chile werden Chinchillas als gefährdet, “en peligro“, geführt (CONAF, 1988).

Schon 1937 hatte man festgestellt, dass sich die Chinchillapopulationen stark verändert hatten, meinte jedoch, dass sich der Bestand „innerhalb von 7 bis 8 Jahren wieder erholen könne“ (Bidlingmaier, 1937). Bis zur Einrichtung des Nationalreservats „Reserva Nacional Las Chinchillas“ vor 15 Jahren, hatten sich die Bestände keinesfalls erholt. Die Populationen innerhalb des Reservates nehmen ohne erkennbaren Grund weiterhin ab (Jimenez, 1994).

Wie schnell kann sich ein Tier „reproduzieren“ und darüber hinaus einen Anstieg des Bestandes bewirken? Wenn ein Paar zwei Jungen hervorbringt, die die Geschlechtsreife erreichen, so ist der derzeitige Bestand gesichert. Wenn es zu einem weiteren Wurf kommt, so sorgt dies bereits für einen Anstieg der Population. Diese Zunahme des Tierbestandes führt zu einer höheren Population, unserem angestrebten Ziel.

Das Herkunftsgebiet des Chinchilla lanigera zieht sich vom Fuße der Anden in Chile über den Nordwesten von Süd-Potrerillo bis zum Rio Choapa (1996). Das wilde Chinchilla lanigera galt als ausgestorben (Noguer, 1970) bis die Art Mitte der Siebziger Jahre in der Provinz IV, Region de Coquimbo, Chile, wiederentdeckt wurde. Um die Tierkolonien zu schützen, wurde von der CONAF das Reservat Reserva Nacional Las Chinchillas (CNR) im Jahr 1983 gegründet.

Heute leben zwei miteinander gekreuzte Linien des Chinchilla lanigera in dieser Region Chiles. Das nördliche Gebiet nahe La Serena hat eine Kolonie auf 46 ha (Jiminez 1995). 250 Kilometer südlich, nahe Illapel sind ungefähr 40 Kolonien (1995). Diese Kolonien bestehen aus weniger als 4000 Chinchillas (errechnet von Jiminez 1995). Weniger als die Hälfte der bekannten Kolonien befinden sich innerhalb des Reservats. 60% der Kolonien "haben weniger als 50 Tiere und keine hat mehr als 500 Tiere", sie bevölkern zwischen weniger als zwei bis hin zu 113 ha (1995). Die meisten Kolonien findet man in den nördlichen Hängen, aber auch in den bergigen südlichen Hängen findet man einige Chinchillas.

Die Umformung des Landes für Jagd, Rohstoffabbau und die Landwirtschaft führte sowohl zu einer Zersplitterung als auch zur Zerstörung der Umwelt innerhalb des Lebensraumes der Tiere. Maßnahmen zur Wiederaufforstung versuchen Lücken bei der Landverteilung zu schließen, den Lebensraum zu vergrößern und den kommerziellen Wettbewerb in den jeweiligen Gebieten zu verringern.

Die Wiederaufforstung soll Pflanzenarten einschließen, von denen das Chinchilla ernährungsbedingt abhängig ist. Diese sollten angepflanzt werden, um die Ergänzung und Expansion der Tierkolonien und deren Verbindungen untereinander sicher zu stellen.

Die Erhaltung der Umwelt und die Ausdehnung der Schutzgebiete muß fortgesetzt werden,um die Bemühungen zum Schutz der Natur zu stützen. Die besonderen ökologischen Nischen benötigen den Schutz vor menschlichen Eingriffen, wenn die bedrohten Tierarten überleben sollen. Die Ausdehnung der geschützten Lebensräume muß geplant, bewertet und auf einer weiterführenden Basis ausgeführt werden.

„Save the Wild Chinchillas, Inc.(STWC)” ist eine nicht profitorientierte Organisation, die gegründet wurde, um das wilde Chinchilla zu bewahren. Ihr Ziel ist es, sicherzustellen, daß diese bedrohten Tiere nicht aussterben. Mit den folgenden drei Maßnahmen versucht sie, dieses Ziel zu erreichen: Unterrichtung von Menschen jeden Alters, Sammeln von Geldmitteln, um Land zu kaufen oder zu schützen und die Umwelt zu erhalten, sowie im Rahmen von Promotionen durchgeführte Studien. Um die Erhaltung, einschließlich Management und Wiederherstellung des Ökosystems, durchzuführen, arbeitet „Save the Wild Chinchillas“ mit dem Chilenischen Park Service und chilenischen Schulen zusammen, um die nahe der Tierkolonien lebenden Menschen zu unterweisen, wie sie helfen können und ihnen nahe zu bringen, wie sie weder zur Schädigung der Chinchillas noch deren Lebensraumes beitragen. Im Sommer 1997 besuchten Volontäre Schulen im chilenischen Illapel, um den Kindern einiges über Chinchillas zu erzählen. Viele der Kinder hatten noch nie etwas von Chinchillas gehört. Sie schickten die Kinder mit einer ökologisch orientierten Geschichte, einer Geschichte über das Chinchilla, nach Hause. Im November erlaubten es Spenden, den Schulen in Chile mehr Unterrichtsmaterial zukommen zu lassen. Im Juli 1998 wurden „Salve Las Chinchilla“-Stifte an die vor Ort lebende Bevölkerung geschickt, um sie dauerhaft an das Chinchilla zu erinnern. Nun, da die örtliche Bevölkerung das Tier kennt, kann die STWC nach Chile gehen und die dortigen Landbesitzer dafür bezahlen, daß sie das Chinchilla schützen, was den Beginn eines auf Kommunikation basierenden Schutzprogramms für Chinchillas ist.

Jeden Tag verwenden Mitglieder aus der ganzen Welt Informationsmaterial, welches die Organisation bereithält sowie über ihre Webseiten zur Verfügung stellt, um andere über das gefährdete Chinchilla und Maßnahmen zu dessen Schutz zu unterrichten. Die Bemühungen werden schließlich Erfolg haben, was sich nicht zuletzt positiv auf die Chinchillapopulation auswirken wird.

(Übersetzung ins Deutsche: Sabine Cremer)


zur Kindergeschichte über die wilden Chinchillas


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